Fondsbranche verwaltet 3.850 Milliarden Euro

Foto: Börse Stuttgart

19.03.2021. „Der deutsche Fondsmarkt hat sich im Jahr 2020 trotz der Corona-Krise sehr gut entwickelt und mit 3.850 Milliarden Euro ein neues Rekordvermögen erreicht. Die hohen Zuflüsse unterstreichen die wichtige Rolle von Fonds in der Altersvorsorge und belegen die Bedeutung des Vertriebs in turbulenten Börsenphasen“, sagt Alexander Schindler, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf der Jahrespressekonferenz. Der Wachstumstrend in der Fondsbranche ist ungebrochen: Im Vergleich zu Ende 2010 (1.832 Milliarden Euro) hat sich das Vermögen der Branche mehr als verdoppelt. „Deutschland ist seit vielen Jahren der größte Fondsmarkt in Europa“, sagt Schindler. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank entfallen auf Deutschland mittlerweile 24 Prozent des Fondsvermögens von Anlegern in Europa. Es folgen Frankreich und England mit jeweils 14 Prozent und Italien mit 9 Prozent.

Fondsbranche verwaltet über 3.800 Milliarden Euro

In Deutschland sind offene Spezialfonds mit einem Vermögen von 1.998 Milliarden Euro die größte Fondsgruppe. Zusammen mit den Mandaten im Wert von 652 Milliarden Euro entfallen knapp 70 Prozent des von den Fondsgesellschaften verwalteten Gesamtvermögens auf das rein institutionelle Geschäft. Vor zehn Jahren waren es 61 Prozent. Versicherungsgesellschaften und Altersvorsorgeeinrichtungen, wie zum Beispiel berufliche Versorgungswerke, gehören seit vielen Jahren zu den größten institutionellen Anlegergruppen. Folglich verwalten Fondsgesellschaften einen großen Teil des Sozialkapitals, wenngleich die Deutschen oft über Versicherungen, Versorgungswerke oder Arbeitgeber einen anderen Zugang haben.

Private Anleger sparen regelmäßig mit Fonds

2020 war in Anbetracht der Corona-Krise ein sehr gutes Absatzjahr. Anleger investierten 127 Milliarden Euro neue Gelder in Publikums- und Spezialfonds. Das ist das drittbeste Absatzjahr für Fonds.

Sehr gutes Neugeschäft 2020

Offene Spezialfonds steuerten mit 80 Milliarden Euro 63 Prozent des Neugeschäfts von Fonds bei. Offene Publikumsfonds erzielten Zuflüsse von 43 Milliarden Euro. Das ist mehr als 2018 (22 Milliarden Euro) und 2019 (17 Milliarden Euro). Vor allem das regelmäßige Sparen privater Anleger ist eine stabile Komponente im Fondsneugeschäft. „Da Sparbücher keine Erträge mehr abwerfen, beobachten wir ein zunehmendes Interesse an Fondssparplänen“, sagt Schindler. „Die niedrigen Zinsen schaffen also das, woran jahrelange Finanzbildung oder die Förderung der Aktienkultur gescheitert sind.“ Nach Angaben von BVI-Mitgliedern ist die jeweilige Zahl der Sparverträge in den letzten Jahren stark gestiegen. Schätzungsweise gibt es mittlerweile weit über 10 Millionen Deutsche, die regelmäßig in Fondssparpläne einzahlen.

Hälfte des Neugeschäfts entfällt auf nachhaltige Fonds

Ein besonderes Wachstumsfeld sind nachhaltige Publikumsfonds. Im letzten Jahr flossen ihnen netto 20,6 Milliarden Euro neue Gelder zu. Damit entfällt knapp die Hälfte des Neugeschäfts von Publikumsfonds auf nachhaltige Fonds. 2017 lag der Anteil am Neugeschäft noch bei sechs Prozent. Diese Dynamik hat das Volumen nachhaltiger Fonds binnen weniger Jahre rasch wachsen lassen. Nachhaltige Publikums- und Spezialfonds verwalteten zum Jahresende 2020 ein Vermögen von 147 Milliarden Euro. Der gesamte deutsche Fondsmarkt benötigte von seinen Anfängen 1950 rund 40 Jahre, um eine vergleichbare Größe zu erreichen.

Aktienfonds bleiben trotz Kursturbulenzen gefragt

Die Absatzliste der offenen Publikumsfonds führen Aktienfonds an. Sie erzielten Zuflüsse von netto 20,9 Milliarden Euro. Ihr Neugeschäft hat sich im Vergleich zum Vorjahr (4,5 Milliarden Euro) fast verfünffacht. Das ist beachtlich, da aufgrund des Kurseinbruches allein im März 14 Milliarden Euro aus Aktienfonds abflossen.

Aktienfonds führen Absatzliste an

In der Absatzliste folgen Mischfonds. Sie verzeichneten 2020 Zuflüsse von 10,1 Milliarden Euro. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres (10,6 Milliarden Euro). An dritter Stelle im Neugeschäft stehen Immobilienfonds mit Zuflüssen von 8,3 Milliarden Euro.

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