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Singles beim Immobilienkauf: Allein die Finanzierung stemmen

27.08.2026. Der Weg ins Eigenheim folgt oft einem festen Muster: doppeltes Einkommen, gemeinsame Planung, geteilte Lasten. Frisch verheiratete Paare und junge Familien gelten noch immer als typische Ersterwerber – doch dieses Bild entspricht immer weniger der Lebensrealität in Deutschland.

Immer mehr Menschen leben allein (2025: 17 Mio.), dennoch sind nur knapp ein Fünftel der Ersterwerber ledig. Der Grund liegt vor allem in den höheren Anforderungen: Singles tragen Finanzierung und laufende Kosten allein. Wie der Immobilienkauf dennoch gelingen kann, erklärt Schwäbisch Hall-Baufinanzierungsexperte Thomas Billmann.

Gleiche Regeln, andere Anforderungen: Voraussetzungen für eine Baufinanzierung als Single

Grundsätzlich gelten für Singles dieselben formalen Anforderungen wie für Paare. Entscheidend bleibt die Bonität.

Für Banken stellen Singles jedoch ein höheres Risiko dar, denn während Paare Eigenkapital und Einkommen bündeln und Fixkosten teilen können, tragen Singles sämtliche Verpflichtungen allein. Entsprechend müssen sie häufig mehr Eigenkapital einbringen und nachweisen, dass sie Kreditrate, Lebenshaltungskosten und weitere Verpflichtungen allein stemmen können. Zudem werden zusätzliche Absicherungen verlangt.

Welche Kriterien Banken außerdem vor der Baufinanzierung prüfen, ist hier detailliert aufgeführt.

Frühzeitiger Eigenkapitalaufbau ist entscheidend

Für Singles ist Eigenkapital der zentrale Hebel auf dem Weg ins Eigenheim. Gleichzeitig zeigt sich hier eine der größten Hürden: Mehr als die Hälfte der Singles verfügt über weniger als 10.000 Euro Eigenkapital.

Umso wichtiger ist ein früher, kontinuierlicher Vermögensaufbau – idealerweise über verschiedene Anlageformen wie Bausparverträge, ETFs oder Fonds. Mindestens die Kaufnebenkosten (10–15 Prozent) plus weitere zehn Prozent Eigenkapital sollten vorhanden sein, idealerweise also 20 bis 30 Prozent inklusive Nebenkosten.

Wer lediglich zehn Prozent Eigenkapital aufbringen kann, sollte unbedingt prüfen, ob lokale Landesförderinstitute mit zinsgünstigen, nachrangigen Finanzierungen unterstützen können“, rät Billmann.

Wie können Singles ihre Finanzierungskonditionen verbessern?

Neben Eigenkapital können Singles ihre Konditionen durch zusätzliche Sicherheiten verbessern. Möglich sind etwa ein Bürge oder ein weiterer Vertragspartner aus dem engen Familienkreis. Auch Schenkungen oder private Darlehen aus dem Elternhaus erhöhen die Kreditwürdigkeit.

Eine weitere Option: Immobilien innerhalb der Familie als Sicherheit einbinden. Die Bank kann einen Teil des Beleihungswerts (beispielsweise 70 Prozent) der Immobilie ansetzen, die fehlenden 30 Prozent können durch eine anteilige Grundschuld auf die elterliche Immobilie abgesichert werden. Voraussetzung ist, dass diese lastenfrei ist.

"Gerade die Einbindung von Familiensicherheiten wird oft unterschätzt – kann aber den entscheidenden Unterschied machen“, so Billmann.

Förderungen: Oft unterschätzt, aber entscheidend

Viele Singles unterschätzen die Rolle staatlicher und regionaler Förderprogramme. „Gerade für Einzelpersonen können Förderungen und ihre Kombination ein echter Gamechanger sein“, so Billmann. „Unter bestimmten Voraussetzungen stehen ihnen die vergünstigten Kredite der KfW sowie zahlreiche regionale Förderungen zur Verfügung.“

Zum Beispiel:
- Wohnraumförderprogramm für Privateigentum (2023–2027) des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW
- Eigentumsfinanzierung BW – Z15-Darlehen der Landesbank Baden-Württemberg (Voraussetzung: mind. ein Kind)
- ILB Wohneigentumsprogramm Brandenburg

Bausparer profitieren zusätzlich von vermögenswirksamen Leistungen, der Arbeitnehmersparzulage, Wohn-Riester oder der Wohnungsbauprämie.

Worauf Singles achten sollten, wenn sie Haus oder Wohnung allein finanzieren

Ein detaillierter Kassensturz ist Pflicht: Nur wer Einnahmen, Ausgaben und finanzielle Spielräume kennt, kann eine realistische monatliche Rate festlegen. Als Richtwert gilt: maximal 30 Prozent des Nettoeinkommens für die monatliche Kreditrate. Um Zinsrisiken zu begrenzen, empfiehlt sich eine vorausschauende Zinsstrategie. Dazu zählen längere Zinsbindungen und die Kombination unterschiedlicher Laufzeiten.

„Das ist keine Pflicht, aber ratsam, um zu verhindern, dass Zinsänderungen den Kreditnehmer nach 10 Jahren aus der Bahn werfen.“ Zudem sollten Singles frühzeitig an die Anschlussfinanzierung denken. Rücklagen sind unverzichtbar, um finanzielle Engpässe etwa bei Krankheit oder Jobverlust abzufedern. Empfehlenswert sind 3–6 Nettogehälter. Auch alle laufenden Kosten rund um die Immobilie müssen realistisch kalkuliert werden – von Nebenkosten bis zum Hausgeld bei Eigentumswohnungen.

Zusätzliche Absicherungen, wie z. B. eine Restschuldversicherung, können sinnvoll sein. „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt den meisten Kreditnehmern zusätzliche Sicherheit, ist aber nicht entscheidend für die Kreditvergabe.“ Bei der Immobiliensuche sollten Singles langfristig denken und mögliche zukünftige Lebenssituationen berücksichtigen.

Fazit

Der Immobilienkauf als Single ist anspruchsvoll – aber machbar. Entscheidend sind eine gute Vorbereitung, eine realistische Planung, ausreichend Eigenkapital und eine Beratung, die alle Optionen aufzeigt.
Am Ende bleibt eine persönliche Abwägung: Wie wichtig ist mir der Wunsch nach Wohneigentum – und welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen?

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